Folge 83: Gesellschaftsformen

Maha spricht mit Christoph und Torben aus Potsdam über verschiedene Gesellschaftsformen/Utopien und was sie mit den Piraten zu tun haben.

Podcast

[podcast]http://klabautercast.de/wp-content/uploads/2012/03/KC083_Gesellschaftsformen.mp3[/podcast]

Dauer: ca. 4 h 54 min (direkter Link auf die mp3-Datei), die Aufnahme erfolgte am 27. Februar 2012 in Berlin. Der Vorspann enthält ein kurzes Zitat aus dem Film 23 – Nichts ist so wie es scheint, Quelle: Filmausschnitt.

Links

„PW“ verweist auf das Wiki der Piratenpartei, „WP“ auf die Wikipedia:

Gesprächspartner

weitere Links

Christoph hat eine ausführliche Linkliste zu den angesprochenen Themen erstellt:

9 Responses to “Folge 83: Gesellschaftsformen”

  1. sofias. mint said:

    Mrz 01, 12 at 20:40

    könnte interessant werden, ich kommentiere schon mal die ersten 15 minuten. ;)

    nicht zuletzt wegen der historischen staatenlosigkeit sei mal hierauf verwiesen: https://en.wikipedia.org/wiki/Anarchy#Lists_of_ungoverned_communities

    außerdem finde ich natürlich, dass ihr gewaltätige organisation (staat, mafia, familiengewalt …) und gewaltlose organisation deutlicher trennen solltet. <_<

    letzeres heißt nicht, dass es keine aggressive gewalt gibt, sondern dass diese nicht durch die organisation legitimiert, sondern gewöhnlich geächtet wird.

    und man sollte einen unterschied machen, ob irgendwie heftig gestritten und mit nichtkooperation sanktioniert, oder einem menschen ungeahndet mit schmerzen und gesundheitsschäden gedroht wird, denke ich. jedenfalls läuft so meine definition von anarchie… :P

  2. sofias. mint said:

    Mrz 01, 12 at 22:16

    zu privatisierung und bla:

    wie üblich bei solchen ausführungen fehlt mir die erläuterung, in welchen aspekten (und warum) ein staatliches monopol denn besser sein sollte; geschweige denn, ob durch diese eventuellen vorteile tatsächlich genügen um den staat in seinem tun und sein zu legitimieren.

    nunja, ich glaube auch nicht das die privatisierungen rechtens sind, da der staat dabei dinge verkauft, die ihm nie wirklich gehört haben. vor allem aber ist die dahinter liegende motivation vor allem das verkaufen und nicht das entmonopolisieren.

    ich denke, wenn es um letzteres gehen sollte, würde es sich anbieten, die bisherige behörde zu kollektivieren, sie in eine genossenschaft ohne privilegien (also auch mit voller konkurrenz) umzuwandeln, im eigentum der entsprechenden kunden und arbeiter bzw ehemaligen beamten.

  3. sofias. mint said:

    Mrz 02, 12 at 01:52

    zu wagenplätzen und autarkie: ich glaube das ‘anarchodörfer’ eben dörfer liegt nicht zuletzt daran das dieses ‘aussteigen’ nicht allzu populär ist. wenn es mehr interessierte gäbe, würden sich wahrscheinlich anarchostädte gründen. je nach entsprechender gesinnung eher ‘rot’ oder ‘golden’ oder ‘orange’. ;) und sicherlich ist auch in einem anarchistischen rahmen nicht jedes gesellschaftsmodell gleich funktionsfähig, aber das lässt sich durch die teilnehmer erkennen und ändern. anarchismus negiert einfach die notwendigkeit und sinnhaftigkeit das ein modell zwanghaft zu erschaffen oder aufrecht zu erhalten.

  4. korbinian said:

    Mrz 03, 12 at 01:37

    hab euren hörenswerten beitrag noch nich ganz zu ende gehört, aber trotzdem ein paar anmerkungen, grade was das themenfeld kommunismus betrifft.

    maha hat das argument der vergesellschaftung der produktionsmittel eher schulterzuckend abgetan – dabei ist genau das ja das kernding was durch das internet evolutionär vorangetrieben wird. an dieser stelle vertreten die piraten auch ganz klar originär libertär-kommunistische ideen wie creative commons und open source. generell wissensallmende und ablehnung von geistigem eigetum, patenten und am ende auch urheberrecht wären eigentlich sehr schöne, und verwirklichbare utopien. leider haben wir piraten da den konservativen weg der urheberrechts”reform” gewählt, der selbst die ideen der grünen als progressiv dastehen lässt. ganz zu schweigen von der restlichen piratenbewegung der diese kommunistische idee ja kernanliegen war und trotz allem hoffentlich immer noch ist.

    und zu den nicht-monetären anreizsystemen: witzigerweise arbeite ich auch als kassierer in einem supermarkt. keine ahnung warum ihr genau diesen job als einen ansieht den leute nur wegen der bezahlung machen. ich mache das in erster linie weil ich neben meinem beruf als bildschirmkreativer auch ab und zu gerne direkt mit leuten in kontakt trete. er sichert mir meine geistige gesundheit durch direktes menschliches RL-feedback und sorgt eigentlich nur nebenbei für mein grundeinkommen. geld als arbeitsanreiz spielt für mich persönlich fast gar keine rolle – eher im gegenteil. wenn ich das gefühl habe nur etwas zu tun um geld zu verdienen fühle ich mich ausgenutzt und reagiere im normalfall mit arbeitsverweigerung.

    so, und jetzt mal den rest hören. peace!

  5. korbinian said:

    Mrz 03, 12 at 01:48

    zu selbstjustiz:

    das ist ein böses wort. aber wir als gesellschaft üben sie die ganze zeit – und das ist auch nicht per se schlecht. wenn zb jmd in unserem laden etwas klaut würde ich niemals auf die idee kommen ihn anzuzeigen. ich würde ihr hausverbot geben und erstattung verlangen. bei jugendlichen würde ich den eltern bescheid geben. zum glück haben wir nen rechtsstaat der demjenigen dann ermöglicht dagegen zu klagen, aber normalerweise finde ich es erstmal besser dinge informell gesellschaftlich zu klären. auch gerne durch ächtung und veröffentlichung.

  6. korbinian said:

    Mrz 03, 12 at 21:21

    zum thema anarchismus:

    linkslibertäre und rechtslibertäre könnten kaum unterschiedlicher sein, die in einen topf zu werfen macht wenig sinn. das problem im RL ist dass linke anarchisten die eigentum ja ablehnen in einer anarchokapitalistischen welt keine chance haben. es kann kein zusammenleben linker anarchisten mit kapitalisten geben die dir halt einfach den grund unter den füßen wegkaufen kaufen und dann geld benutzen diesen mit privaten söldnern zu verteidigen. kommunistischer anarchismus kann im RL nur punktuell funktionieren, und nur durch toleranz der wirtschaftlichen oder staatlichen hegemons. das is leider so.

    anders schauts aber im internet aus. da is der platz ja unbegrenzt, daher blühen dort ja auch linkslibertäre projekte auf. eigentum spielt in zeiten von pirate bay eh keine große rolle. einer kommerzialisierung dieses anarchistischen utopias kann man als linker anarchist daher gelassen in die augen blicken, da ja eh nie ziel war meinungsführend zu werden.

  7. stefle said:

    Mrz 03, 12 at 23:27

    Hier ist ein interessantes Interview mit David Graebers über sein Buch „Debt“:

    http://imaginenoborders.org/blog/alex/graeber-debt/?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

    Deutsche Übersetzung:

    http://arno-schuetterle.de/hp/david-graeber-und-die-anfange-der-schulden-debt-die-ersten-5000-jahre

  8. stefle said:

    Mrz 04, 12 at 01:36

    Hier noch eine etwas kritichere Buchbesprechung von Ulrike Hermann:

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=pb&dig=2012%2F03%2F03%2Fa0055&cHash=2b1c9a96e2

  9. Ein Sympathisant said:

    Mrz 07, 12 at 20:00

    Der Entwurf der Internetgesellschaft ist eher schemenhaft geblieben. Da müsst ihr noch dran arbeiten, würde ich sagen.

    Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen politischen Ideologien scheint mir zu sehr von dem Wunsch beseelt, am Ende zu einer gewünschten ideologischen Zugehörigkeit zu kommen.

    Das wertvolle an den verschiedenen genannten Denkrichtungen ist vorallem ihre Analyse. Und da würde ich auch sagen, dass Maha das Problem der Produktionsmittel hier ziemlich unterschätzt. Zum einen, wenn die Produktionsmittel tatsächlich jedem in Form von Individualwerkzeugen zur Verfügung stehen, kann man die Forderung nach ihrer Vergesellschaftung durchaus als erfüllt ansehen. Allerdings umfasst Produktion natürlich viel mehr, als die Dinge, die mit den Individualwerkzeugen Computer und Software geschaffen werden können. Aber bleiben wir trotzdem bei dem Beispiel. Wir kontrollieren diese Werkzeuge (noch). Die Produktionsmittel für die Herstellung dieser Werkzeuge kontrollieren wir als Gesellschaft aber fast überhaupt nicht. Bei der Ausgestaltung der Technologie haben wir daher kaum ein Mitspracherecht. Man denke an geschlossene Plattformen und DRM. Ob der Computer uns immer in Form eines Universalrechners zu Verfügung stehen wird, ist durchaus nicht ausgemacht.

    Etwas irritiert hat mich auch die ganze Debatte um “Einsicht”. Ein Individuum innerhalb der Gesellschaft ist immer Zwängen unterworfen. Die Frage ist, wie diese Zwänge für alle Individuen im möglichst gleichen Maße verringert werden können. Der Kommunismus, soweit ich das überblicke, gibt hier überhaupt keine wirkliche Antwort. Er ist lediglich die Vision, dass dieser Zustand erreicht ist.


Leave a Reply